ACTA Summit: “The future of travel is human,” says President Suzanne Acton-Gervais
Auf dem ACTA Summit im kanadischen Brampton hat Präsidentin Suzanne Acton-Gervais eine Aussage in den Raum gestellt, die uns auf dem Stellplatz direkt ins Herz trifft: „The future of travel is…

Eine Branche unter Strom – und warum uns das etwas angeht
Auf dem ACTA Summit im kanadischen Brampton hat Präsidentin Suzanne Acton-Gervais eine Aussage in den Raum gestellt, die uns auf dem Stellplatz direkt ins Herz trifft: „The future of travel is human." Klingt erstmal nach einer schicken Floskel aus der Pressekonferenz, ich weiß. Doch wenn ihr den ganzen Kontext hört, steckt da mehr drin als Marketingsprech – nämlich genau die Haltung, die wir auf unseren Routen jeden Tag üben.
Warum „human" gerade jetzt kein Zufall ist
Über 600 Reiseberater und Anbieter haben sich am 9. September im Pearson Convention Centre versammelt – mitten in einer Branche, die unter steigenden Kosten, geopolitischem Chaos, schwankenden Spritpreisen und dem Druck durch KI ächzt. Acton-Gervais hat in ihrer Eröffnungsrede einen Punkt gemacht, der mir Respekt abnötigt: Belastbarkeit ist nicht stilles Leiden. „Resilience does not mean accepting whatever is handed to us. Resilience is not silence", sagte sie. Resilienz heißt, den Schlag einstecken, die Stimme erheben und gestärkt zurückkommen.
Diese Haltung kennen wir verdammt gut. Wer einmal mit einem defekten Kühlschrank im Van bei 35 Grad im Schatten stand, wer nach einer durchweichten Nacht am Atlantik die Heizung wieder zum Laufen bringen musste oder wer auf einem fremden Parkplatz um drei Uhr nachts einen platter Reifen gewechselt hat – der weiß, wovon sie redet. Es ist dieser Pragmatismus, der uns am Ende durchbringt, nicht die rosarote Brille.
Was heißt das für unseren Alltag auf der Straße?
Die Zahlen, die Acton-Gervais zitierte, sind happig: Die IATA prognostiziert rund 5,1 Milliarden Flugpassagiere weltweit für 2026, bis 2050 sollen es 12,4 Milliarden werden. Der World Travel and Tourism Council rechnet in diesem Jahr mit etwa 12 Billionen Dollar Umsatz durch Tourismus. Wir spüren diese Entwicklung längst auf unseren Routen – vollere Stellplätze, überlaufene Buchten, gestresste Locals, die zunehmend auf die Barrikaden gehen.
Aber genau hier wird der Mensch-Faktor richtig spannend. Acton-Gervais betonte, dass künstliche Intelligenz den Reiseberater nicht ersetzt – und genauso wenig ersetzt sie uns das Gefühl, einen Ort wirklich zu erleben. Kein Algorithmus der Welt plant dir spontan den Schotterweg raus, der am Ende den besten Sonnenuntergang deines Lebens liefert. Keine Buchungssoftware erschnüffelt den Bäcker im Dorf, dessen Croissants den gesamten Trip retten. Das bleibt unser Job.
Was die Zukunft mit uns vorhat
Die Kanadier, so Acton-Gervais, mögen ihr Reiseziel, Timing oder Budget anpassen – aber die Lust aufs Unterwegssein ist ungebrochen. Sie schauen verstärkt über die USA hinaus: mehr Karibik, mehr Europa, mehr Asien, mehr Zentral- und Südamerika. Für uns in Europa bedeutet das konkret: mehr Begegnung auf beliebten Routen, mehr geteilte Parkplätze in der Hochsaison, mehr Respekt nötig – vor den Menschen vor Ort und untereinander.
Ich sage euch: Wir können das als Nervenprobe sehen – oder als Chance, unsere Art zu reisen bewusster zu leben. Weniger Hektik auf der Karte, mehr Aufmerksamkeit für das, was direkt vor der Scheibe passiert. Durchatmen, anhalten, den Kaffee aus der Thermoskanne trinken, statt die nächste Sehenswürdigkeit abzuhaken. ACTA hat recht: Die Reise bleibt menschlich. Solange wir das auf unseren Wegen nicht vergessen, braucht uns die Zukunft nicht bang zu machen.