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Geotrek Verus: Mehr Wohnraum im Sprinter-Format ohne Wohnmobil-Ballast

Wie das US-Portal RVtravel jetzt berichtet, hat der Colorado-Ausbau-Spezialist Geotrek Vans einen neuen Campervan namens Verus vorgestellt – und das Konzept trifft einen Nerv, den die meisten von uns…

aktualisiert 12. September 2026

Geotrek Verus: Mehr Wohnraum im Sprinter-Format ohne Wohnmobil-Ballast

Wie das US-Portal RVtravel jetzt berichtet, hat der Colorado-Ausbau-Spezialist Geotrek Vans einen neuen Campervan namens Verus vorgestellt – und das Konzept trifft einen Nerv, den die meisten von uns kennen: der eigene Sprinter fährt sich wunderbar, aber irgendwann zwischen Woche drei und einem verregneten Morgen in Slowenien wird es drinnen verdächtig eng. Geotrek verspricht rund 60 Prozent mehr Wohnfläche gegenüber den bisherigen 144-Zoll-Sprintern, ohne dass der Wagen seinen Van-Charakter verliert.

Mehr Raum, ohne gleich Wohnmobil zu werden

Der Verus steht auf einem Mercedes-Sprinter mit 170-Zoll-Radstand und Allradantrieb, komplett aufgebaut im Geotrek-Werk in Colorado. Klingt erstmal nach viel Blech – ist im Alltag aber ein handfester Unterschied: mehr Innenraum bei ähnlichen Außenmaßen heißt mehr Bewegungsfreiheit drinnen, ohne dass du beim Einparken auf dem Stellplatz jedes Mal die Spiegel einklappst. Genau zwischen klassischem Class-B+-Van und vollwertigem Reisemobil will sich Geotrek positionieren, also für alle, denen ein 144er-Sprinter irgendwann zu klein wurde, ein Wohnmobil aber zu viel des Guten wäre.

In Europa heißt das allerdings: Aufbau und Chassis sind auf den US-Markt zugeschnitten. Wer den Verus hier zulassen will, braucht Geduld, einen guten Sachverständigen und vermutlich auch den einen oder anderen Kompromiss. Das ist kein Grund, das Konzept zu verteufeln – aber ein Grund, die Füße stillzuhalten, bis klar ist, wie es mit einer EU-Variante aussieht.

Was tatsächlich drinsteckt – und was es im Alltag bringt

Bett: ein full-size Queen, also kein diagonales Liegen mehr mit Knie an der Schiebetür. Für zwei Erwachsene plus Hund endlich eine echte Schlafposition, auch wenn man mal drei Wochen am Stück unterwegs ist.

Dusche: innen und außen. Die Innendusche ist im Winter Gold wert, die Außendusche im Heck spart das Hantieren mit der Gießkanne nach matschigen Wandertagen. Frischwassertank: 43 Gallonen, umgerechnet rund 163 Liter – genug für mehrere Tage ohne Außenwasserhahn.

Strom: 1.000 Watt Solar auf dem Dach, kombiniert mit einem EcoFlow-Powersystem. Über die Lichtmaschine soll die Bordbatterie laut Geotrek in unter sechs Fahrstunden wieder voll sein. Für alle, die ihre Freiheit nicht an Steckdosen auf Campingplätzen ausrichten, ist das ein handfestes Argument.

Stauraum: sechs Aluminium-Boxen außen plus ein Heckbereich mit rund 60 Kubikfuß Volumen für Sportgeräte, Ersatzkanister, Werkzeug. Wer schon mal versucht hat, zwei Surfbretter, Klappstühle und Wochenproviant in einem normalen Campervan unterzubringen, weiß: da zählt jeder Kubikzentimeter.

Isolation: R-11-Wert, vier-Jahreszeiten-tauglich laut Hersteller. In der Praxis heißt das: Skandinavien im März wird erträglicher, Wüstennächte in Spanien ebenso, und das lästige Kondenswasser am frühen Morgen gehört hoffentlich der Vergangenheit an.

Bevor ihr euch verliebt: drei Punkte zum Durchatmen

Erstens: US-Modell heißt US-Zulassung. Länge, Gewichtsverteilung und Assistenzsysteme unterscheiden sich vom europäischen Serien-Sprinter. Wer ernsthaft überlegt, muss mit TÜV, Anpassungen und womöglich längeren Wartezeiten rechnen. Schön, wenn Geotrek irgendwann eine Europa-Version anbietet – bis dahin bleibt das ein Hobby für Importeure mit starken Nerven.

Zweitens: Premium-Anbieter, Premium-Preis. Ein 170er-Sprinter mit Allrad plus Vollausbau plus EcoFlow liegt deutlich über dem, was die meisten gebrauchten Ausbauten in der Szene kosten. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie viele Wochen im Jahr ihr tatsächlich unterwegs seid. Ein ehrlicher Blick auf den eigenen Reise-Alltag spart hier mehr Geld als jedes Schnäppchen.

Drittens: Specs listen ist das eine, drin stehen das andere. Nehmt euch die Zeit, den Van wirklich live anzuschauen: könnt ihr zu zweit kochen, ohne euch die Ellbogen zu brechen? Ist die Toilette erreichbar, wenn einer noch im Bett liegt? Funktioniert das mit eurem Hund, eurem Kind, eurem Yoga-Programm? Lasst euch nicht von Hochglanz-Fotos blenden.

Geotrek-Mitgründer Grant McCrabb bringt es im Kern auf den Punkt, wenn er beschreibt, dass Kunden immer wieder genau diesen Spagat genannt haben: die Wendigkeit der kleineren Vans lieben, aber mehr Platz zum Leben brauchen. Diese ehrliche Wahrnehmung zeigt, dass auch ein Premium-Hersteller versteht, dass Vanlife kein Lifestyle-Post ist, sondern Alltag auf vier Rädern. Was bleibt: ein durchdachtes Konzept aus Colorado, das in die richtige Richtung denkt. Wir bleiben dran.