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Vom Sportplatz Erli nach Amsterdam: Wenn der FC Sion auf europäische Giganten trifft

Nach Angaben des Schweizer Rundfunks SRF trifft der FC Sion im Playoff-Hinspiel der Conference League auf Ajax Amsterdam – nur vier Tage nach dem 6:1 im Schweizer Cup beim FC Kerzers aus der 2.

aktualisiert 19. August 2026

Vom Sportplatz Erli nach Amsterdam: Wenn der FC Sion auf europäische Giganten trifft

Liga. Für den Walliser Klub ist das ein harter Wechsel der Kulisse: vom Sportplatz Erli ins Tourbillon und vom Pflichtsieg gegen einen Amateurverein zu einem Gegner mit europäischer Geschichte. Wer solche Reisen nicht nur auf der Landkarte verfolgt, kennt den kleinen Kulturschock: Ein Wochenende kann zwischen Provinzplatz und grosser Bühne liegen.

Vom Cupplatz ins Tourbillon

Der FC Sion hat seine erste Cup-Runde beim FC Kerzers standesgemäss mit 6:1 gewonnen. Das Ergebnis klingt deutlich, ist laut SRF aber kein echter Gradmesser für den Vergleich mit Ajax. Denn im Playoff-Hinspiel kommt ein Klub ins Wallis, der viermal den wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb gewann – 1971, 1972, 1973 und 1995.

Dazu kommen ein Triumph im UEFA-Cup 1992, der Cupsieger-Pokal von 1987, 36 niederländische Meistertitel und 20 Pokalsiege. Das ist die beeindruckende Seite der Geschichte. Die andere gehört ebenso dazu: Ajax wartet seit mehr als 30 Jahren auf einen internationalen Titel und hat die vergangenen vier Meisterschaften der Eredivisie anderen überlassen. Feyenoord Rotterdam und die PSV Eindhoven gewannen diese vier Wettbewerbe, PSV davon drei.

Für Sion liegt darin ein Stück Realität, das man auf einer langen Anfahrt ruhig mitnehmen darf: Ein grosser Name ist nicht automatisch eine Mannschaft auf dem Höhepunkt ihrer Zeit.

Ajax kommt nicht ohne Baustellen

Ajax findet sich inzwischen in der Conference League wieder, dem dritthöchsten UEFA-Wettbewerb. Als Fünfter der vergangenen Eredivisie-Saison durfte sich der Klub nicht einmal für die Europa-League-Qualifikation versuchen. In drei der vergangenen vier Spielzeiten beendete Ajax die Liga auf Rang fünf. Laut SRF war eine derart schwache Bilanz zuletzt in der Saison 1999/2000 zu sehen.

Auch auf der Trainerbank herrscht Bewegung. Michel Sanchez ist der neue Coach, der 50-jährige Spanier bereits der zehnte Ajax-Trainer seit Sommer 2022. Damals verliess Erik ten Hag den Klub in Richtung Manchester United. Die Meisterschaft von 2022 unter ten Hag ist bis heute der letzte Titel von Ajax.

Im Kader stehen trotzdem Namen, die Gewicht mitbringen: Daley Blind und Davy Klaassen gehören zu den niederländischen Routiniers, dazu kommen der deutsche Torhüter Marc ter Stegen, der von Barcelona ausgeliehen ist, und Julian Brandt von Borussia Dortmund. Besonders auffällig war in der Conference-League-Qualifikation bisher Oscar Gloukh. Der Israeli erzielte in drei Einsätzen vier Treffer.

Das klingt nach viel Erfahrung und Marktwert – das Ajax-Kader wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Aber auch solche Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Auf dem Platz muss der Traditionsname erst einmal mit der aktuellen Form zusammenfinden.

Selbstvertrauen, aber kein Übermut

Für den FC Sion sind es die ersten direkten Vergleiche mit Ajax Amsterdam. An Selbstvertrauen dürfte es dem Aussenseiter trotzdem nicht fehlen: Von acht Pflichtspielen in dieser Saison verlor Sion nur eines, gegen die Young Boys. Der 6:1-Erfolg in Kerzers sollte dabei eher Rückenwind als Beweis für die eigene Stärke sein.

Genau hier wird der Abend interessant. Sion bringt eine Serie und den Heimvorteil mit, Ajax die europäische Vergangenheit und ein Kader mit grossen Namen. Für uns, die wir gern unterwegs sind und uns auf solche besonderen Abzweigungen einlassen, ist das die eigentliche Geschichte: Nicht jeder Kulturschock bedeutet, dass man falsch abgebogen ist. Manchmal zeigt er nur, wie weit zwei Fussballwelten voneinander entfernt liegen.

Das Hinspiel zwischen Sion und Ajax wird am Donnerstag ab 20:05 Uhr in der SRF-Sport-App gezeigt. Fabriertes Heldenkino braucht es dafür nicht. Spannend genug ist bereits die Frage, ob Sion seinen pragmatischen Lauf gegen einen angeschlagenen, aber noch immer schwergewichtigen Gegner fortsetzen kann.