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Bedrohte Paradiese

Outdoor-Toilette in den Bergen: Saubere Lösung ohne Spuren

Ein einzelnes Papiertaschentuch, das am Wegerand liegen bleibt, mag harmlos wirken. In den Hochalpen oberhalb der Baumgrenze kann seine vollständige Zersetzung jedoch bis zu fünf Jahre dauern.

Outdoor-Toilette in den Bergen: Saubere Lösung ohne Spuren

Feuchttücher brauchen wegen ihrer Kunststofffasern häufig fünf bis zehn Jahre oder noch länger. Dabei können sich Kunststoffpartikel lösen und als Mikroplastik in Boden und Schmelzwasser gelangen. Diese winzigen Hinterlassenschaften sind kein Randthema der Wandermoral, sondern eine Belastung für Ökosysteme, deren Tragfähigkeit ohnehin begrenzt ist – gerade dort, wo sich Vanlifer, Weitwanderer und Bergsteiger auf immer enger werdenden Routen konzentrieren. Die gute Nachricht: Wer die Regeln der Outdoor-Hygiene kennt und konsequent anwendet, kann tatsächlich ohne Spuren unterwegs sein.

Warum alpine Ökosysteme empfindlich reagieren

Alpine Böden oberhalb von etwa 2.000 Metern sind keine Wälder in Zeitlupe. Sie sind langsam wachsende, nährstoffarme Systeme, in denen Humusbildung Jahrzehnte dauert und jeder Quadratmeter von einer fein austarierten Mikrobiologie abhängt. Kälte, Trockenheit und kurze Vegetationsperioden verlangsamen den Stoffwechsel von Bodenbakterien und Pilzen so stark, dass organisches Material, das in Tallagen in Wochen verschwindet, hier über Jahre liegen bleiben kann.

Fäkalien sind dabei nicht nur ein ästhetisches Problem. Sie konzentrieren Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor punktuell an Stellen, die biologisch nicht darauf vorbereitet sind. Wo ein Wildtier seinen Kot verteilt, gehört das zum natürlichen Nährstoffkreislauf. Wo Menschen dies an immer derselben Stelle wiederholen – etwa an einem beliebten Aussichtspunkt, neben einem Felsblock oder auf einem häufig genutzten Biwakplatz –, entsteht dagegen eine lokale Überdüngung. Die ohnehin karge Vegetation kann verdrängt werden; tritt zusätzlich regelmäßig jemand auf dieselbe Stelle, wird der Boden verdichtet und Erosion begünstigt.

Das Problem verschärft sich, wenn viele Menschen dieselbe Route nutzen. Eine einzelne Hinterlassenschaft ist selten der entscheidende Schaden. Hunderte oder tausende kleine Vorgänge an stark frequentierten Wegen ergeben jedoch eine andere Größenordnung. Ein Hang, der auf einer Karte unberührt aussieht, kann entlang der wenigen ebenen Stellen längst zu einer inoffiziellen Toilette geworden sein. Gerade die scheinbar abgelegenen Plätze unterhalb eines Gipfels, an denen Wandernde für eine Pause ausweichen, werden oft zu solchen Konzentrationspunkten.

Hinzu kommt die Nähe zu Wasserressourcen. Gletscherbäche, Bergseen und Quellen in der Umgebung von Biwak- und Wanderrouten sind nicht nur Trinkwasserquellen für nachfolgende Gruppen. Sie sind auch Lebensraum für Amphibien, Wasserinsekten und andere Organismen, die auf besonders empfindliche Bedingungen angewiesen sind. Fäkalien, die zu nah an einem Gewässer liegen, können mit Regen- oder Schmelzwasser in das System gelangen. In steilem Gelände reicht dafür mitunter ein kleiner Abstand nicht aus: Wasser sucht sich seinen Weg nicht nach der Entfernung auf der Wanderkarte, sondern nach Gefälle, Untergrund und vorhandenen Rinnen.

Die verbreitete Vorstellung, ein zugescharrtes Loch sei automatisch verschwunden, ist deshalb falsch. Unsichtbar ist eine Hinterlassenschaft nur für das Auge. Im Boden bleibt sie biologisch wirksam – und unter alpinen Bedingungen oft deutlich länger, als man von einem Ausflug ins Grüne erwarten würde.

Oberhalb der Baumgrenze ist Zersetzung kein schneller Selbstreinigungsprozess. Was im Tal nach kurzer Zeit verschwindet, kann im Gebirge mehrere Jahre Teil des Bodens bleiben.

Auch Krankheitserreger spielen eine Rolle. Menschliche Fäkalien gehören nicht in Quellmulden, in feuchte Senken oder in Bereiche, in denen Wasser oberirdisch abläuft. Besonders problematisch sind Plätze, an denen sich mehrere Belastungen addieren: ein nahe gelegener Bach, eine viel begangene Route, weicher Boden und kaum Vegetation. Dort sollte man nicht nach dem gerade noch akzeptablen Abstand suchen, sondern deutlich weitergehen – oder, wenn möglich, eine vorhandene Toilette nutzen.

Die Mechanik des Catholes: Richtig graben und verschließen

Die international verbreitete Technik für das große Geschäft in der Wildnis ist das sogenannte Cathole: ein schmales, senkrechtes Kotloch, das nach der Benutzung vollständig und unauffällig wieder verschlossen wird. Es ist keine Komposttoilette und kein aufwendiges System, sondern ein einfaches Werkzeug. Seine Wirkung hängt davon ab, wo das Loch gegraben wird, wie tief es ist und ob der Aushub anschließend sauber zurück in die Öffnung gelangt.

Als Orientierung gelten etwa 15 bis 20 Zentimeter Tiefe. In stark durchwurzeltem oder steinigem Boden kann ein etwas tieferes Loch nötig sein, sofern der Untergrund dies überhaupt zulässt. Unter zehn Zentimetern ist die Abdeckung meist zu dünn. Dann können Regen, Tiere und Erosion die Hinterlassenschaft wieder freilegen. Sehr tiefe Löcher sind dagegen ebenfalls keine gute Lösung: In den oberen Bodenschichten ist die biologische Aktivität in der Regel höher, während tiefer liegende Schichten weniger Sauerstoff enthalten und die Zersetzung nicht automatisch besser funktioniert.

Entscheidend ist nicht, eine möglichst beeindruckende Grube auszuheben. Entscheidend ist, eine geeignete Stelle zu finden. Ein dunkler, krümeliger Oberboden mit dichter, aber nicht besonders empfindlicher Vegetation ist meist günstiger als blanker Fels, lockerer Sand oder eine trockene Schutthalde. In Mineralboden kann ein Cathole technisch zwar möglich sein, seine biologische Wirkung ist jedoch begrenzt. In manchen alpinen Bereichen lässt sich überhaupt kein sinnvolles Loch graben. Dann ist die richtige Konsequenz nicht, mit Gewalt zwischen Steinen zu bohren, sondern die Hinterlassenschaft mitzunehmen.

Ebenso ungeeignet sind empfindliche Pflanzenpolster, Moosflächen, Geröllhänge, Höhlen, trockene Bachrinnen und Stellen mit sichtbaren Tierspuren. Ein scheinbar unberührter Fleck kann ökologisch wertvoller sein als der danebenliegende, bereits beanspruchte Rand eines Weges. Die Oberfläche sollte nach dem Verschließen wieder möglichst so aussehen wie vorher. Das bedeutet nicht, dass man Vegetation ausreißt, um das Loch zu kaschieren. Der Aushub reicht normalerweise aus.

So funktioniert ein sauberes Cathole

1. Eine geeignete Stelle suchen: Sie sollte deutlich abseits von Wegen, Rast- und Biwakplätzen, Gewässern, Quellen und häufig genutzten Durchgängen liegen. Lokale Schutzbestimmungen und Hinweise vor Ort haben immer Vorrang.

2. Den Boden prüfen: Vor dem Graben mit dem Stock oder der Schaufel testen, ob der Untergrund tief genug und nicht von Wurzeln oder Fels durchzogen ist. Wenn das Werkzeug nach wenigen Zentimetern blockiert, ist die Stelle ungeeignet.

3. Das Loch ausheben: Mit einem kleinen Klappspaten oder einem stabilen Grabwerkzeug ein möglichst senkrechtes Loch von ungefähr 15 bis 20 Zentimetern Tiefe anlegen. Der Durchmesser muss nicht groß sein; etwa zehn Zentimeter reichen als praktische Orientierung.

4. Den Aushub sammeln: Die Erde bleibt direkt neben dem Loch liegen. Sie wird später vollständig zum Verschließen gebraucht und sollte nicht den Hang hinunter verstreut werden.

5. Die Hinterlassenschaft im Loch platzieren: Der feste Bestandteil gehört in die Öffnung. Toilettenpapier, Taschentücher und Feuchttücher werden separat verpackt und nicht vergraben.

6. Das Loch schließen: Den Aushub zurückfüllen, die Erde vorsichtig andrücken und die Oberfläche mit losem Material aus der unmittelbaren Umgebung angleichen. Pflanzen werden dafür nicht ausgerissen.

7. Den Platz kontrollieren: Es sollten keine sichtbaren Reste zurückbleiben. Auch das Werkzeug wird gereinigt oder zumindest so verpackt, dass es nicht mit anderen Gegenständen im Rucksack in Kontakt kommt.

Wer das Prinzip der Outdoor-Toilette selber machen will, braucht dafür kein kompliziertes Bausystem. Ein kleines Grabwerkzeug, ein Beutel für Hygieneartikel und etwas Ortskenntnis genügen. Trotzdem sollte man das Verfahren nicht erst in einer unangenehmen Situation ausprobieren. Zu Hause lässt sich prüfen, ob der Spaten stabil genug ist und wie viel Kraft das Graben in festem Boden tatsächlich kostet. Auf einer Tour ist es besser, die Ausrüstung zu kennen, als im entscheidenden Moment mit einem zu kurzen Kunststoffspaten vor einer steinigen Bodenschicht zu stehen.

Nicht jede Umgebung eignet sich für ein Cathole. In stark frequentierten Klettergebieten, auf Gletschern, in hochalpinem Fels, auf gefrorenem Boden und in sensiblen Schutzgebieten kann die Mitnahme die einzige vertretbare Option sein. Auch dort, wo Hütten oder öffentliche Toiletten erreichbar sind, sollte man diese nutzen. Eine einfache Regel lautet: Das Cathole ist eine Notlösung für geeignete Böden, kein Freibrief für jede Landschaft.

Abstandsregeln: 60 Meter sind das Minimum, nicht das Maximum

Die Richtlinien zum spurenarmen Unterwegssein empfehlen mindestens 60 Meter Abstand zu Gewässern, Wegen, Biwakplätzen und anderen Orten, an denen sich Menschen aufhalten oder aufhalten könnten. Das entspricht ungefähr 200 Fuß. Der Deutsche Alpenverein und der Schweizer Alpen-Club nennen in ihren Empfehlungen einen ähnlichen Bereich von etwa 50 bis 70 Metern. In der Praxis ist die größere Distanz die bessere Wahl, besonders an steilen Hängen, in Quellgebieten und auf viel besuchten Routen.

Die Entfernung sollte nicht einfach mit einem kurzen Blick geschätzt werden. Wer an einem Bergsee Pause macht und nur wenige Schritte hinter den nächsten Felsen geht, ist nicht automatisch weit genug entfernt. Auch ein Platz, der vom Ufer aus nicht sichtbar ist, kann über eine Rinne oder eine wasserdurchlässige Bodenschicht mit dem See verbunden sein. Entscheidend ist daher nicht nur die Luftlinie, sondern auch die Frage, wohin Regen- und Schmelzwasser abfließen.

In flachem Gelände entsprechen 60 Meter ungefähr 80 bis 90 normalen Schritten. Auf einem steilen Hang ist diese Orientierung ungenauer, weil Schrittweite und Geländelinie sich verändern. Wer zweifelt, geht lieber weiter. Zusätzliche Meter kosten kaum Zeit, während ein naher Bach oder eine Quelle über lange Strecken die Folgen einer falschen Standortwahl weitertragen kann.

StandortfaktorEmpfohlener MindestabstandWorauf zusätzlich zu achten ist
Seen, Bäche und Quellen60 mNicht in Abflussrinnen, feuchten Senken oder Quellmulden graben
Wanderwege und Steige60 mAuch in Kurven und hinter Sichtschutz auf mögliche Nutzer achten
Biwak- und Lagerplätze60 mBereits stark beanspruchte Stellen nicht weiter konzentrieren
Trinkwasserfassungen und Almen70 m oder mehrGefälle, Weideflächen und die Nutzung durch Tiere berücksichtigen
Trockene Bachbettenmöglichst deutlich weiter entferntBei Regen oder Schneeschmelze können sie kurzfristig Wasser führen

Diese Werte ersetzen keine örtlichen Regeln. Nationalparks, Naturschutzgebiete, private Grundstücke und hochalpine Schutzbereiche können strengere Vorgaben machen oder das Graben vollständig untersagen. In manchen Regionen ist die Infrastruktur bewusst so geplant, dass Besucherinnen und Besucher Toiletten an Hütten, Parkplätzen oder Ausgangspunkten nutzen sollen. Wer sich dort über Beschilderung hinwegsetzt, handelt nicht spurenarm, auch wenn das eigene Loch technisch korrekt verschlossen wurde.

Eine gute Standortwahl berücksichtigt außerdem andere Menschen. Niemand möchte direkt neben einem Rastplatz essen, an dem wenige Meter weiter die Notdurft verrichtet wurde. Das gilt auch dann, wenn der Platz nicht offiziell als Lagerplatz ausgewiesen ist. Aussichtsbänke, Klettereinstiege, Wasserstellen und Stellen, an denen Familien ihre Kinder ausruhen lassen, sind keine geeigneten Rückzugsorte. Der Abstand zur menschlichen Nutzung ist Teil des Umweltschutzes und nicht bloß eine Frage der Höflichkeit.

Hygieneartikel: Warum Mitnehmen die einzige Antwort ist

Die vielleicht hartnäckigste ökologische Fehlannahme in alpinen Ökosystemen betrifft Toilettenpapier, Taschentücher und Feuchttücher. Was im Alltag als „biologisch abbaubar“ gilt, verschwindet in großer Höhe nicht automatisch schnell. Ein liegen gelassenes Papiertaschentuch kann mehrere Jahre sichtbar bleiben. Feuchttücher bestehen dagegen häufig zu einem großen Teil aus Kunststofffasern. Sie benötigen fünf bis zehn Jahre oder noch länger und können während der allmählichen Zersetzung Kunststoffpartikel freisetzen.

Ein Feuchttuch ist kein Naturprodukt. Es gehört in den Beutel und später in den Abfall – nicht unter einen Stein und nicht in ein zugescharrtes Loch.

Toilettenpapier ist im Vergleich zwar leichter abbaubar, aber auch deshalb nicht automatisch für das Cathole geeignet. Wind kann es aus dem Loch lösen, Tiere können die Abdeckung aufwühlen und Regen kann es an die Oberfläche bringen. Außerdem hinterlassen Taschentücher und Papier an beliebten Stellen schnell den Eindruck, die Landschaft sei eine öffentliche Toilette. Wer einmal an einem Aussichtspunkt zwischen weißen Papierfetzen gestanden hat, versteht, warum der Hinweis „wird schon verrotten“ nicht ausreicht.

Die Konsequenz ist einfach und unbequem: Hygieneartikel gehören in den Rucksack. Dafür genügt ein kleiner, stabiler, wiederverschließbarer Beutel. Ein Zip-Beutel, ein geruchsdichter Beutel oder ein robuster Hundekotbeutel erfüllt denselben Zweck. Wer regelmäßig unterwegs ist, kann zwei getrennte Beutel verwenden: einen für trockenes Papier und einen zweiten als Reserve, falls etwas feucht wird. Eine blickdichte Außenhülle macht den Transport angenehmer, ist aber nicht zwingend notwendig.

Beim Packen hilft eine klare Trennung:

  • Mitnehmen: Toilettenpapier, Taschentücher, Feuchttücher, Tampons, Binden und andere Hygieneartikel.
  • Nicht vergraben: alles, was Kunststofffasern, Folien, Duftstoffe oder saugfähige Kunstmaterialien enthält.
  • Zusätzlich einpacken: ein kleines Desinfektionsmittel oder eine geeignete Seife für die Handhygiene.
  • Nach der Tour entsorgen: den verschlossenen Beutel dort, wo die jeweilige Abfallregelung es vorsieht, in der Regel im Restmüll.

Auch vermeintlich umweltfreundliche Produkte ändern an der Grundregel wenig. Die Aufschrift „kompostierbar“ bedeutet nicht, dass ein Artikel im kalten, trockenen Bergboden innerhalb kurzer Zeit verschwindet. Für die Zersetzung braucht es passende Bedingungen: Feuchtigkeit, Wärme, Sauerstoff und die richtigen Mikroorganismen. Diese Bedingungen sind in hochalpinen Lagen oft nur kurz im Jahr vorhanden. Biologisch abbaubar heißt deshalb nicht „kann ich draußen liegen lassen“.

Wer auf Feuchttücher angewiesen ist, sollte sie ausschließlich für die eigene Hygiene verwenden und anschließend vollständig einpacken. Noch besser ist es, den Bedarf unterwegs zu reduzieren: Wasser, ein kleines Stück Seife und ein separates Handtuch können bei passenden Bedingungen eine Alternative sein. Seife gehört allerdings nicht in Bäche oder Seen. Auch biologisch abbaubare Produkte können Wasserorganismen belasten, wenn sie direkt in ein Gewässer gelangen.

Das Mitnehmen ist keine übertriebene Zumutung. Ein kleiner Beutel fällt im Tagesgepäck kaum ins Gewicht. Er bleibt dort, bis die Tour endet, und erinnert zugleich daran, dass Outdoor-Freiheit nicht bedeutet, alle Folgen des eigenen Aufenthalts an Ort und Stelle zurückzulassen. Wer das als unangenehm empfindet, sollte sich vor Augen führen, dass die Alternative darin besteht, fremde Menschen mit den eigenen Hinterlassenschaften zu konfrontieren – manchmal an einem Ort, an dem sie gerade Wasser schöpfen oder ihr Lager aufschlagen.

Sensibilisierung in den Alpen: Die #ScheissMoment-Initiative

Dass das Thema überhaupt Eingang in eine breitere öffentliche Diskussion gefunden hat, ist auch der gemeinsamen Kampagne des Schweizer Alpen-Clubs und des Verbands Schweizer Wanderwege zu verdanken. Unter dem Hashtag #ScheissMoment wird mit Humor, aber klarer pädagogischer Absicht über den Umgang mit Fäkalien und Toilettenpapier in den Bergen aufgeklärt. Der doppeldeutige Name nimmt die Peinlichkeit aus einem Thema, über das viele zwar sprechen müssten, aber nur ungern sprechen.

Die Kampagne macht sichtbar, was sonst gern verdrängt wird: Hinterlassene Taschentücher und menschliche Fäkalien tauchen nicht nur irgendwo im Nirgendwo auf. Sie liegen an Aussichtspunkten, neben Kletterrouten, an beliebten Biwakplätzen und entlang der wenigen ebenen Stellen einer viel genutzten Route. Solche Fundstücke werden dokumentiert und als Anlass genutzt, um über Abstände, Beutel, Toiletten und die Grenzen des Vergrabens zu informieren.

Der Humor ist dabei kein Selbstzweck. Er senkt die Hemmschwelle, ohne das Problem kleinzureden. Ein moralischer Vortrag über Anstand erreicht vor allem jene, die ohnehin überzeugt sind. Ein direkter, manchmal derber Begriff kann dagegen eine Unterhaltung auslösen: über die richtige Ausrüstung, über überfüllte Wege und über die Frage, wie viel Infrastruktur ein empfindliches Tal verträgt. Wichtig bleibt, dass aus der Kampagne keine öffentliche Beschämung einzelner Personen wird. Aufklärung funktioniert besser als Bloßstellung.

Was lange als „unfeines Wandererthema“ galt, gehört heute zur größeren Diskussion über die Belastungsgrenzen alpiner Räume. Dabei geht es um dieselbe Grundfrage wie bei Wildcamping, freistehenden Wohnmobilen auf Passhöhen oder illegalen Feuerstellen: Wie verhalte ich mich an einem Ort, dessen Ressourcen begrenzt sind und der nicht für die Zahl seiner Besucher ausgelegt wurde?

Besonders wirksam ist der Ansatz, weil er an eine Haltung anknüpft, die in der Bergsportkultur ohnehin vorhanden ist: Solidarität untereinander und Respekt vor der Natur. Wer regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, möchte den eigenen Lieblingsplatz nicht mit fremden Hinterlassenschaften vorfinden. Die Kampagne formuliert diese Erwartung nicht als abstraktes Umweltideal, sondern als einfache Vereinbarung zwischen Menschen, die denselben Raum nutzen.

Ausrüstung, die in jedes Tourengepäck gehört

Wer ohne Spuren in den Bergen unterwegs sein will – als Tagestourengeher vom Stellplatz am Alpenrand, als Weitwanderer auf einer Hüttentour oder als Vanlifer auf der Suche nach abgelegenen Biwakplätzen – braucht keine schwere Spezialausrüstung. Viel wichtiger als ein aufwendiges Toilettensystem ist ein kleines Setup, das im entscheidenden Moment griffbereit ist.

Zur Grundausstattung gehören:

  • Ein kleiner, stabiler Klappspaten oder Grabspaten: Er sollte eine feste Klinge haben und auch mit verdichtetem Boden oder kleineren Steinen zurechtkommen. Eine biegsame Camping-Schaufel ist für viele alpine Untergründe zu schwach.
  • Mehrere wiederverschließbare Beutel: Einer nimmt Papier und Taschentücher auf, ein weiterer dient als Reserve. Eine blickdichte oder geruchsdichte Außenhülle kann den Transport angenehmer machen.
  • Toilettenpapier in einer geschützten, trockenen Verpackung: Nicht die ganze Rolle lose in den Rucksack legen, sondern eine kleine Menge wasserdicht verpacken.
  • Handhygiene: Ein kleines Desinfektionsmittel oder ein Stück geeignete Seife und etwas Wasser. Beides wird nicht im Bach und nicht am See verwendet.
  • Eine Stirnlampe, wenn die Tour spät endet: Wer im Dunkeln improvisieren muss, findet deutlich schwerer einen geeigneten Abstand und übersieht eher Papier oder andere Reste.
  • Kenntnis der örtlichen Regeln: Vor allem in Schutzgebieten kann die richtige Lösung darin bestehen, eine ausgewiesene Toilette zu nutzen oder alle Hinterlassenschaften mitzunehmen.

Was nicht in den Rucksack gehört, ist ebenso klar: Feuchttücher, die im Gelände zurückbleiben sollen, parfümierte Hygieneprodukte, Plastikverpackungen und Toilettenpapier, das aus Bequemlichkeit im Loch verbleibt. Wer die eigene Ausrüstung vor dem Aufbruch kontrolliert, muss unterwegs nicht zwischen einem ungeeigneten Felsplatz und einer langen Rückkehr zur Hütte entscheiden.

Eine gute Vorbereitung beginnt zudem nicht erst am Berg. Auf der Karte lassen sich Hütten, Parkplätze, Seilbahnstationen und andere Infrastrukturen erkennen. Vor einer langen Etappe kann man die Toilette am Ausgangspunkt nutzen, statt die erste Pause dafür einzuplanen. Bei einer Übernachtung im Wohnmobil oder Van gehört die Entleerung der eigenen Toilette selbstverständlich in dafür vorgesehene Stationen. Das mobile Reisen erweitert die Möglichkeiten, entbindet aber nicht von der Verantwortung für Abwasser und Abfälle.

Die Berge sind kein Freiluftklo, aber sie sind auch kein Museum. Sie sind ein lebendes System, das von den Entscheidungen jeder einzelnen Person abhängt, die es betritt. Wer am Morgen die Wanderschuhe schnürt, ein kleines Grabwerkzeug einpackt, Abstand zu Wasser und Wegen hält und benutzte Hygieneartikel wieder mitnimmt, braucht dafür keinen moralischen Ausnahmezustand. Es geht um ein paar Gramm Papier, ein Loch mit der richtigen Tiefe und die Bereitschaft, den eigenen Aufenthalt nicht auf Kosten der nächsten Person und des nächsten Gewässers zu organisieren.

Das ist kein Verzicht und kein erhobener Zeigefinger. Es ist die einfachste Form des Respekts vor einem Ökosystem, das uns seine Schönheit nur so lange zeigt, wie wir bereit sind, es nicht mit unserer Bequemlichkeit zu überfordern.

Häufige Fragen

Warum darf ich Toilettenpapier nicht einfach im Loch vergraben?
Toilettenpapier kann durch Wind oder Tiere freigelegt werden und verrottet in der Höhe nicht schnell genug, was die Landschaft verschmutzt.
Wie weit muss ich mich von einem Bergsee entfernen, um meine Notdurft zu verrichten?
Es wird ein Mindestabstand von 60 Metern empfohlen, wobei auch das Gefälle und der Wasserabfluss beachtet werden müssen, um eine Verunreinigung zu vermeiden.
Sind biologisch abbaubare Feuchttücher in den Bergen erlaubt?
Nein, auch diese Produkte enthalten oft Kunststofffasern und benötigen Jahre zur Zersetzung, weshalb sie wie alle anderen Hygieneartikel wieder mitgenommen werden müssen.
Was mache ich, wenn der Boden zu steinig zum Graben ist?
Wenn kein ausreichend tiefes Loch gegraben werden kann, ist die einzige umweltgerechte Lösung, die Hinterlassenschaften in einem Beutel mitzunehmen.