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Meldung

Expedition von Afrika zum Nordkap: Mit dem Serien-Geländewagen durch 60 Länder

Nach Angaben von Overland Expo hat die kenianische Abenteurerin Becky Kim eine 28.254 Meilen lange Expedition von Afrika bis in die Arktis abgeschlossen.

aktualisiert 07. August 2026

Expedition von Afrika zum Nordkap: Mit dem Serien-Geländewagen durch 60 Länder

Gemeinsam mit ihrer Co-Pilotin und Navigatorin Bonnie Koko fuhr sie in 122 Tagen durch mehr als 60 Länder – vom südlichsten Punkt Afrikas bis nach Nordkapp und anschließend weiter nach London. Für die Overland-Szene ist daran vor allem eines interessant: Der eingesetzte INEOS Grenadier Trialmaster blieb weitgehend seriennah.

Eine Route, die keine Abkürzung kennt

Die Reise begann am 13. Februar in Nairobi. Von dort ging es zunächst nach Cape Agulhas in Südafrika, anschließend entlang der Westküste Afrikas nach Norden und weiter durch Europa bis nach Nordkapp in Norwegen. Der nördlichste per Straße erreichbare Punkt Europas war der Wendepunkt der sogenannten Cape-to-Cape-Route.

Danach fuhr das Team wieder südwärts und beendete die Expedition vor dem Londoner Pub „The Grenadier“. Die Heckscheibe des Fahrzeugs wurde dabei zur kleinen Reisedokumentation: Für jedes besuchte Land kam eine Flagge dazu. Nach Angaben von Overland Expo soll Kim die erste kenianische Frau sein, die diese Strecke von Cape Agulhas nach Nordkapp gefahren ist.

Die Landschaften entlang der Route waren denkbar unterschiedlich. Die beiden durchquerten unter anderem die Kalahari-, Namib- und Sahara-Wüste und erreichten schließlich die kalten Regionen Nordskandinaviens. Das ist nicht nur eine schöne Abfolge von Landschaftsbildern, sondern eine ziemliche Nervenprobe für Mensch, Fahrzeug und Planung.

Was der seriennahe Grenadier tatsächlich zeigt

Der Grenadier Trialmaster war laut Overland Expo kein aufwendig umgebautes Expeditionsfahrzeug. Zum Einsatz kamen die werkseitigen Sperrdifferenziale an der Mitte, an der Vorder- und an der Hinterachse, ein erhöhter Lufteinlass, der BMW-B57-Dieselmotor sowie BFGoodrich All-Terrain T/A KO2-Reifen.

Außerdem fuhr das Team ohne umfangreiche Support-Crew und navigierte mit traditionellen Karten. Fachleute griffen während der Fahrt offenbar nicht unterstützend ein. Gerade dieser Punkt macht die Geschichte für viele von uns spannender als eine reine Fahrzeugpräsentation: Hier wird nicht ein Show-Truck durch eine kontrollierte Teststrecke bewegt, sondern ein nahezu serienmäßiges Fahrzeug über eine außergewöhnlich lange und abwechslungsreiche Route.

Trotzdem sollten wir aus so einer Expedition nicht vorschnell ableiten, dass jedes Serienfahrzeug automatisch für die eigenen Reisepläne ausreicht. Eine Route durch Wüsten, Europa und die Arktis ist kein normaler Urlaubseinsatz. Fahrzeug, Reifen, Ersatzteilversorgung, Navigation und persönliche Belastbarkeit spielen zusammen. Dass ein Modell eine solche Strecke bewältigt, ist ein starkes Signal für seine Konstruktion – aber noch keine individuelle Kaufberatung.

Der praktische Blick vor der nächsten großen Reise

Wer selbst über einen Overland-Truck nachdenkt, kann aus der Meldung vor allem eine nüchterne Prüfliste mitnehmen. Nicht nur auf die Optik des Fahrzeugs schauen, sondern darauf, welche Funktionen ab Werk vorhanden sind und welche Umbauten wirklich gebraucht werden. Sperren, Bodenfreiheit, Ansaugsystem und geeignete Reifen können auf langen Strecken wichtiger sein als ein maximal ausgebauter Innenraum.

Ebenso entscheidend ist die Frage, wie unabhängig man unterwegs sein möchte. Kim und Koko fuhren laut Bericht ohne große Unterstützung und nutzten klassische Karten. Das bedeutet nicht, dass moderne Navigation oder ein Support-Netzwerk überflüssig wären. Es zeigt aber, wie wichtig ein Plan B ist, wenn Technik, Netzabdeckung oder Zeitplan nicht mitspielen.

Und dann bleibt der Faktor Durchhaltevermögen. 122 Tage unterwegs zu sein, mehr als 60 Länder zu durchqueren und dabei von Wüstenhitze bis zur arktischen Kälte alles mitzunehmen, ist eine andere Größenordnung als ein verlängertes Wochenende im Offroad-Park. Für die eigene Planung heißt das: lieber ehrlich prüfen, welche Strecken, Temperaturen und Reparatursituationen man tatsächlich bewältigen kann. Der Grenadier mag seriennah geblieben sein – die Vorbereitung auf eine solche Reise war es vermutlich nicht.